Nun, die Überschrift zu diesem Beitrag ist sicher nicht ganz zutreffend, schliesslich hat Rügen keine Autobahn. Allerdings ist die Insel sicher auch kein Paradies für Fahrradtouristen und das ist etwas bedauerlich.

Den diesjährigen Strandurlaub hatte ich mit 2 Freunden schon lange für die Insel Rügen vorgesehen, aber leider ist das Urlaubsziel für Radler ein wenig enttäuschend. Schon bei der Anfahrt mit der Bahn nach Sagard war entlang der Autoschlange abzusehen, was uns blüht. Sehr viele Urlauber reisen doch mit dem Auto an und dementsprechend herrscht auf den wenigen Verbindungsstraßen reger Verkehr.


Kaum am Zielbahnhof angekommen, offenbart sich die nächste Plagerei für Radler. Viele Staßen, vor allem die abgelegener Orte, bieten nur das historische Kopfsteinpflaster – sozusagen grob nivellierte Felsbrocken. Selbst auf gut gefederten Rädern wird man ordentlich durchgerüttelt, kein Wunder also, daß jeder mit dem Auto anreist. Viele Radwege sind noch Schotterpisten, Feld- und Waldwege, aber wenigstens führen diese dann durch autofreie Natur. Die wenigen asphaltierten Radwege führen meistens entlang der Hauptverkehrsstraßen, das ist auch eher suboptimal gelöst.
In Glowe, unserem Zielort an der Schaabe, erkennt man diese Verkehrspolitik am deutlichsten. Durch den kleinen Ort führt die viel befahrene Bundesstraße zur Wittower Halbinsel und es gibt nicht einen einzigen Zebrastreifen, geschweige denn einen beampelten Fußgängerüberweg. Selbst wenn man an den 2-3 angedeuteten Querungsmöglichkeiten zur anderen Straßenseite wechseln möchte, muß man sich massiv durchsetzen, einen Unfall riskieren und wird blöd angehupt. Da wünscht man sich dann doch eine höhere Sterblichkeitsrate bei Bewegungsmangel und Fettsucht, das Problem wäre sicher gelöst.

Diese Erfahrungen beziehen sich aber nur auf den Nordosten der Insel Rügen, wie es im südlichen Bereich der Badeorte Binz, Sellin, usw. aussieht, kann ich nicht beschreiben, leider hatte das Wetter nicht richtig mitgespielt, um weitere Touren zu machen. Ansonsten ist Rügen in diesem Bereich aber sehr schön, man hat entlang der Schaabe viel Strand zum Baden zur Verfügung und mit dem Naturpark Jasmund und entlang des Boddens eine grüne Oase für schöne Wanderungen. Auch die Wittower Halbinsel bietet viele Touren abseits vom Hauptverkehr und man findet einige idyllische Orte wie z. B. das Fischerdorf Vitt, Putgarten und Wiek.

Höhenprofil
Höhenprofil
Distanz: 39,1 km
Höhenmeter: ca. 60 m
Belag: Asphalt, Forst- und Feldwege
Kategorie: Für Mountainbike und Tourenräder geeignet
Radroute 1115196 – powered by Bikemap

Die Radtour über Lohme zum Königstuhl ist ideal, um den Nordosten etwas besser kennen zu lernen. Allerdings ist der Naturpark Jasmund besser zu Fuß zu erkunden, vor allem der Weg entlang der Küste zwischen Stubbenkammer und Sassnitz ist für Räder ungeeignet. Auf den Wegen durch das Waldgebiet wird man wiederum mit dem Kopsteinpflaster gefoltert und ab Sassnitz geht’s ein Stück zurück entlang der Hauptverkehrsstraßen.

Höhenprofil
Höhenprofil
Distanz: 53,6 km
Höhenmeter: ca. 260 m
Belag: Asphalt, Forst- und Feldwege
Kategorie: Für Mountainbike geeignet
Radroute 1115187 – powered by Bikemap

An verregneten Tagen sollte man sich recht früh um Alternativen kümmern. Glowe bietet dazu leider nicht viel und der Busverkehr nach Sagard, um mit der Bahn nach Süden zu kommen, taktet im 2-Stunden-Rythmus. Wenn man den verpasst, kann man immer noch mit Rüganer Gemächlichkeit zwischen Eisdiele und Fischbrötchenstand pendeln. Abschließend betrachtet drängt sich der Eindruck auf, daß jeder Quadratzentimeter auf Rügen verkommerzialisiert wird und es hat uns letztes Jahr auf dem Darß doch besser gefallen.

 

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